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Die Gastwirtschaft „Zum weißen Rössel" - eine lange Geschichte -
Die ersten urkundlichen Berichte beziehen sich auf ein Teilstück der 24 Hüben des Klosters Lobenfeld auf Epfenbacher Gemarkung, innerhalb der Ortsbebauung. (Nr. 23 in der Renovation des Hubbuches aus dem Jahre 1618, Nr. 51 des Dorfarchives). Dieser Eintrag erweist, daß die Rösselwirtschaft auf der Bräunungshub, die Klostereigentum war, schon vor 1600 bestanden hat, denn die dazugehörige Hub war im Jahre 1618 im Besitz von Hans Wogbach, (gest. 23. Juli 1621). Durch das Nebeneinanderliegen des dem Kloster gehörenden Frohnhofs und des Rössels, ist es wahrscheinlich, daß dieses Haus sogar ursprünglich ein Bestandteil des Frohnhofes war. Mit diesem ersten uns bekannten Besitzer, beginnen die urkundlichen Belege.
Nach dem Ableben von Hans Wogbach, wurde dessen Tochter Ottilie Wogbach, geb. 1604 dahier, die Erbin. Sie verehelichte sich mit Hans Dengel, (damals noch mundartlich Düngel u. Düngle geschrieben), der dann vom Gericht zum Hubträger der Bräunungshub erkannt worden ist und dafür den Hubfall an die Schaffnerei Lobenfeld zu zahlen hatte. Außerdem mußten für die Benutzung der Bräunungshub an Erbpacht und der dazugehörigen Güter jährliche Hubzinse 3 albus u. 4 Pf. entrichtet werden. (Im Jahre 1581 zählte der Gulden 26 Albus, auch Silber-, u. Weißpfennig genannt, im Gegensatz zum kupfernen, Schwarzpfennig genannt.)
Dieser Hans Düngel, um 1600 dahier geboren, (vermutl. Sohn des hiesigen Bauern Marxus Düngel), ist im 30-jährigen Krieg als kurpfälzisdier Schultheiß, bei der Verteidigung der Sdiulzenfeste und Kirche in Epfenbadi gegen 400 Lothringer Reiter, durch einen Kopfschuß getötet und außerdem sind etliche andere Bürger verwundet worden. Mit seinem vermutl. Bruder Michael Düngel, Bauer und Zentschöffe, gest. Frühjahr 1659 und dessen Ehefrau Ottilie (1604-1667), des Bauern und Zentsdiöffen Hans Zapf Tochter setzt sich diese Linie bis zur Gegenwart fort.
Die Witwe Ottilie Düngel hat sich danach nochmals verehel. und zwar mit dem Witwer Andreas Arnold, Bürger und Zentschöffe und gebürtig von Osterburken. Dieser war in erster Ehe - am 25. 4. 1624 - dahier verehel. mit der Witwe Ottilie des Hans Stezenbach, Thomas söhn.
Der urkundliche Hubeintrag lautet: „Nachfolger des Hans Düngel auf der Bräunungshub wurde, modo: Ottilie, Andreas Arnold wittib und 1646 gerichtlich als Hübnerin erkannt und zahlt den Hubfall zu Händen des Schultheiß".
Dieser Eintrag besagt, daß inzwischen auch Andreas Arnold (1645) gestorben und nunmehr die Rösselwirtin zum zweitenmal Witwe geworden war. Die Witwe des Andreas Arnold hat sich dann zum drittenmal verehel. und es heißt in der Fortsetzung zur Bräunungshub, modo: Ihr Mann Claus Schütz, (1609-1677) nunmehriger Hubträger und Rösselwirt. Er war der Sohn des schon vor 1618 verst. hiesigen Bürgers und Bauern Anthony Schütz).
Nachdem dieser durch das Ableben seiner Ehefrau Ottilie, nunmehr Witwer geworden und ein solcher Wirtschaftsbetrieb ohne Ehefrau nicht zu meistern war, hat er sich am 21. 4. 1668 ebenfalls nochmals verehelicht und zwar mit Maria Stein, geb. 1643 Spechbach und gest. dahier um 1687; (Tochter des Michael Stein geb. 1600 Spechbach und gest. 7. 11. 1672 Bürger, Bauer und Schultheiß zu Spechbach).
Maria Schütz geb. Stein v. Spechbach, hat sich gleichfalls nach dem 1677 verst. Rösselwirt Claus Schütz, nochmals verehelicht und zwar mit dem Neubürger Christopf Wolf geb. l. 3. 1653 Eschelbronn und gest. 22. 4. 1730 Epfenbach, der dann ebenfalls Rösselwirt wurde. (Er war ein Sohn des Eschelbronner Bürgers u. Bauern Hans Wolf gest. 31. 12. 1687 und seine Ehefrau Anna Gertraude gest. 17. 12. 1681 ebd.).
Die Söhne des Rösselwirts Wolf haben die Wirtschaft nicht übernommen, dagegen die Tochter Magdalena Wolf (geb. 1. 6. 1678 Epf. u. gest. 15. 12. 1728 ebd.)
Sie ehelichte am 17. 1. 1702 den Dietrich Jodoci (geb. 1672 und gest. 21. 4. 1745 dahier) womit auch dieser Rösselwirt wurde. (Er war ein Sohn des Johann Wilhelm Jodoci, reformierter Pfarrer zu Epfenbach, gebürtig von Trier).
Deren Tochter Maria Katharina Jodoci (geb. 15. 2. 1705 Epfenbach u. gest. 2. 4. 1772 ebd. Reform. Relig.) erbte die Wirtschaft. Sie verehel. sich am 8. 1. 1726 in Epfenbach mit dem Johann Kasper Ernst (geb. 1703 angeblich zu Haßmersheim, gest. am 26. 11. 1776 zu Epfenbach). Er war hier Schultheiß und vererbte die Rösselwirtschaft an Johann Kasper Ernst II. (geb. 19. 4. 1739 Epf. u. gest. 11. 1. 1814 dahier, Metzgermeister und Rösselwirt und wie sein Vater, Ortsoberhaupt bis zu seinem Ableben). Verehel. 17. 5. 1763 dahier mit Maria Barbara Fötzner (geb. 27. 12. 1740 zu Rußheim b. Karlsruhe u. gest. 9. 2. 1805 Epfenbach. Evang. Relig. Tochter des Bäckermeisters Konrad Fötzner und Anna Margarethe Roth).
Von den Kindern hat keines die Wirtschaft zum Rössel übernommen. Sie ist über den Kronenwirt Johann Adam Ernst (geb. 1783 Epf. u. gest. 1855 ebd.) an dessen Sohn Johannes Ernst (geb. 1808 Epf. u. gest. 1888 ebd.) gekommen, welcher dann als Rösselwirt genannt wird. Er verehelichte sich am 29. 7. 1841 Epf. in 2. Ehe mit Helene Geißer geb. 16. 10. 1818 zu Reihen u. gest. 19. 4. 1875 Epfenbach. (Tochter des Küfermeisters Johannes Geißer und Ehefrau Margarethe geb. Bender).
Mit diesem Gastwirt Ernst beginnen erstmals die amtlichen Belege über die Rösselwirtschaft. Unter dem 22. Oktober 1832 wird von der Regierung des Unterrheinkreises auf den Bericht des Amtes Neckarbischofsheim unterm 16. des Monats Nr. 11062 betr. Antretung der Nachfolge des Bürgers Johannes Ernst in der Rösselwirtschaft folgender Beschluß zugeleitet:
„Dem berichtenden Amt wird zur weiteren Eröffnung erwiedert, daß dem Gesuch des Johannes Ernst, die Rösselwirtschaft in Epfenbadi betreiben zu dürfen unterm nachfolgenden willfahrt wird. Abschrift hiervon an das Bürgermeisteramt Epfenbach zur weiteren Eröffnung an Johann Ernst. Neckarbischofsheim 27. Oktober 1832. Großherzogl. Bezirksamt."
Aus der l. Ehe des Gastwirts Johannes Ernst, mit Philippine Geißer (geb. 1808 Steinsfurt u. gest. 1839 Epfenbach), war nur eine Tochter Luise geb. 1833 Epf. vorhanden. So hat von den 5 Kindern aus der 2. Ehe (mit Helene Geißer) deren Sohn Friedrich Ernst (geb. 11. 4. 1850 Epf. u. gest. 8. 8. 1905 ebd.) als Bierbrauer 1874 die Rösselwirtschaft übernommen, (verehel. 8. 1. 1874 Epf. mit Elisabeth Margarethe Billmann geb. 6. 2. 1850 Berwangen u. gest. 21. 10. 1891 Epfenbach. - Tochter des Jakob Billmann, Landwirt u. Ehefrau Katharina geb. Schwab).
Nach dem Ableben seiner Ehefrau, hat Friedrich Ernst die Rösselwirtschaft verpachtet an die Gebrüder Adam u. Wilhelm Ziegler aus Spedhbach. (Adam Ziegler v. 26. 9. 1896 bis 24. 4. 1899 und mit kurzer Unterbrechung vom 27. 4. 1900 bis 15. 10. 1901 Wilhelm Ziegler.) Erst zu dieser Zeit hat Altrösselwirt Friedrich Ernst am 17. 10. 1901 die Wirtschaft seinem Sohn Emil Ernst (geb. 21. 1. 1878 Epf.)von Beruf Küfer u. Bierbrauer, übergeben. Anfänglich mußte Emil Ernst mit fremden Hilfskräften den Land- und Gastwirtschaftsbetrieb meistern und konnte sich erst am 29. 4. 1905 Epf. verehelichen mit Maria Reinhard (geb. 26. 2. 1880 Epf. u. gest. 1. 2. 1941 Mhm. Tochter des Heinrich Reinhard u. der Katharina Frommer).
Trotz großer Anstrengungen war ihm das Glück nicht besonders zugetan, erschwerend waren auch die Zeitverhältnisse in den Jahren v. 1890-1910, in der besonders die Landbevölkerung einen schweren Lebenskampf führen mußte. Im Jahre 1907 war Emil Ernst gezwungen, das gesamte landwirtschaftliche Anwesen an die Brauerei L. Lang in Diedesheim zu verkaufen. Dieser letzte Rösselwirt Ernst verzog dann im Jahre 1908 mit seiner Frau Maria und seinen 3 Kindern (Friedrich Wilhelm geb. 1905, Luise geb. 1907 u. Maria geb. 1909) nach Mannheim. Dort fand er wieder einen guten Arbeitsplatz als Küfer. Vom Jahre 1907 bis 1909 hat die Brauerei Lang die Rösselwirtschaft an Wilhelm Haffelder, der von Aglasterhausen nach hier gezogen war, verpachtet und konnte so für weitere 2 Jahre den Betrieb aufrecht erhalten.
Im Herbst 1909 pachtete die Familie H. Reinhard von der Brauerei Lang die Rösselwirtschaft und führte sie mit enormen Fleiß und Geschick in den folgenden Jahren.
Heinrich Reinhard geb. 12. 6. 1866 Epf. u. gest. 23. l. 1941 ebd. Landwirt. (Sohn des Christoph Reinhard u. der Margarethe geb. Jungmann dahier). - Verehel. 13. 2. 1896 Epf. mit Anna Margarethe Beck geb. 2. 6. 1874 Reichartshausen u. gest. 13. 9. 1926 ebd. (Tochter des Georg Adam Beck u. der Ehefrau Helene geb. Scholl zu Reichartshausen).
Im Jahre 1919, nach dem Tode des Brauerei-Besitzers Lang in Diedesheim dem Eigentümer des Rössels, hat dessen Witwe die Gastwirtschaft an die Eheleute Reinhard verkauft. Jedoch bereits im Jahre 1926 verstarb die Ehefrau Anna Reinhard geb. Beck und so mußte Heinrich Reinhard mit dem bereits erwachsenen Sohn Albert Reinhard (geb. 19. 5. 1898 Epf.) und den Töchtern Anna geb. 1896 und Elise geb. 1901, den Wirtschaftsbetrieb und Landwirtschaft allein weiter führen.
Erst im Kriegsjahr 1941, kurz vor seinem Ableben, hat Heinrich Reinhard den Hof und Landwirtschaftbetrieb an seinen Sohn Albert Reinhard und dessen Ehefrau Auguste geb. Schifferer übergeben. Aus dieser Ehe gingen 2 Kinder hervor: Melitta Reinhard geb. 25. 11. 1927 Epf. und Albert Reinhard junior geb. 22. 2. 1935 Epfenbach.
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